Ballonfahren bei Nacht und ohne Nebel
Nachtfahrt von Wiehl nach Pulheim – ein Erlebnis der Extraklasse

Heißluftballonfahren – wer denkt dabei nicht an blauen Himmel, Sonnenschein, wenig Wind und vor allem die bunten Kugeln am Abendhimmel? 

Dass Ballonfahren nicht nur bei Tageslicht, sondern auch mitten in der Nacht stattfinden kann, das kann man sich wohl erst vorstellen, nachdem man diesen Bericht gelesen hat.

 Nach eingehender Wetterprüfung initiierte Christof Thomas, Vorsitzender der Bergischen Ballonfahrer e.V. Wiehl, für den Fronleichnamstag eine Nachfahrt von Wiehl aus. Doch er sollte nicht lange alleine bleiben, denn ein solches Ereignis ist selbst in Ballönerkreisen immer noch ein ganz besonderes Erlebnis, und so erklärten sich die vier Piloten Christof Thomas, Ralf Schörghofer, Thomas Klaas (alle Bergische Ballonfahrer e.V. Wiehl) sowie Nils Neumann (Pilotenanwärter in Wiehl) und dem gewerblichen Ballonfahrer Michael Kloss aus Waldbröl bereit, in dieser Nacht auf ihren sicherlich wohlverdienten Schlaf zu verzichten und das Abenteuer Nachtfahrt zu begehen. Den Ballon, mit insgesamt 7000m3 Luftinhalt schon ein sehr großes Gerät, stellte Michael Kloss freundlicherweise zur Verfügung, denn solche Größen sind im Vereinssport eher unüblich, geben aber die Möglichkeit, statt der sonst mit derart umfangreichem Equipment nur noch möglichen 2, 5 Mitfahrer unterzubringen. 

 Allein das Aufbauen um 02 Uhr nachts ist bereits nicht alltäglich und birgt eine besondere Herausforderung an Piloten und das Team, da beim Anknebeln der Hülle an den Korb sowie beim Einhängen aller wichtigen Ventilleinen besondere Genauigkeit gefragt ist und deshalb eine ausreichende Beleuchtung am Startplatz unverzichtbar ist. Gerade die Tatsache, dass es sich um einen schwarzen Ballon handelte, erschwerte die Angelegenheit noch erheblich. Eine Nachtfahrtbeleuchtung am Korb gehört ebenso zur Pflichtausrüstung wie ein so genannter Transponder. Mittels dieses Gerätes ist der Ballon während der gesamten Fahrt nicht nur für alle anderen Luftfahrzeuge am Himmel sichtbar, sondern auch auf dem Radarschirm beim Flughafen-Tower und bei der Flugverkehrskontrolle in Langen und ermöglicht so dem dortigen Personal, den Ballon sicher durch den nächtlichen Luftraum zu geleiten. Zuvor muss die Fahrt bei der Flugverkehrskontrolle in Langen angemeldet werden, damit man nicht als Unbekanntes FlugObjekt den übrigen Flugverkehr gefährdet und dann den Himmel auf unsanfte Weise wieder verlassen muss.

 Für Christof Thomas und Ralf Schörghofer war diese Nachtfahrt nicht wirklich etwas Neues, aber für Nils Neumann und Thomas Klaas war dies quasi die „Jungfernfahrt“ und daher auch für „alte Hasen“ neu und ein wenig gewöhnungsbedürftig, da man im Dunkeln erst einmal die Orientierung wieder finden muss. Michael Kloss war zum zweiten Mal dabei und machte damit seine letzte Einweisungsfahrt, bevor er nun selbst die Nachtfahrtberechtigung erwerben kann.

 Der Start in Wiehl erfolgte gegen 03:15 Uhr und verlief reibungslos, die Verfolger Andi, seine Freundin Carola sowie Christof Thomas’ Sohn Patrick blieben in der Dunkelheit zurück. Für sie begann nun erst der spannende Teil der Fahrt, hatten sie doch die anspruchsvolle Aufgabe, den Ballon zu verfolgen und bestenfalls bei der Landung schon in Empfang zu nehmen.

 Die Fahrer im Korb nahmen unterdessen direkt Funkkontakt mit Langen auf, die die Mannschaft an Bord sicher und souverän durch den Luftraum des Köln-Bonner Flughafens schleusten. In Höhen von bis zu 6000 Fuss (umgerechnet ca. 2000 m) war es recht kühl, aber die fünf stellten schnell fest, dass sie nicht alleine den nächtlichen Himmel unsicher machten, denn auf der Funkfrequenz der Ballonfahrer herrschte fast mehr Verkehr als auf der überquerten Autobahn A4.

 

 

 

Ein ganz besonderes Highlight für die Korbbesatzung waren sicherlich die exakte Überquerung des Kölner Domes und des alten Kölner Flughafens Butzweiler Hof in Köln Ossendorf. Danach hatten die vier einen Ausblick der ganz anderen Art, als unter ihnen kurz vor der Landung der Big Brother Container auftauchte. Was sie dort genau in den frühen Morgenstunden sahen, mochte keiner der Piloten wirklich erzählen.

 

Um 06:25 Uhr landeten die vier Oberberger dann nach einer Fahrtstrecke von 49km sicher zwischen Spargelfeldern in der Nähe von Pulheim und waren sich alle einig: dies ist noch lange nicht die letzte Nachtfahrt gewesen. Denn einen Sonnenaufgang in der Luft miterleben und so beobachten zu können, wie alles erwacht, ist mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis.

Bericht Julia Heinz